Das Netzwerk erwartet die Erkundigungen der Kommissarin. Sie hat bisher nicht mal gegrüsst. Sie analysiert erst die möglichen Verdächtigen. Diese hat sie am Vortag kennengelernt. Es ist klar,
dass die Person unbemerkt in den Raum gekommen sein muss. Meist dienen ihre Fragen nur mehr zur Bestätigung dessen, was sie vorher bereits weiss, was die Fragerei überflüssig macht. Sie dient
lediglich dazu, ihre Schlussfolgerungen vor den Anwesenden zu rechtfertigen.
Sie wird sich erst den Doktor vornehmen. Er ist ein unsicherer Kerl. Warum würde er sonst derartig viel auf Status setzten? Es reicht ihm nicht, er selbst zu sein. Er beweist unbewusst seinen
Eltern, dass er den gleichen Wert hat wie sein Bruder. Er will Anerkennung. Dumm ist er nicht. Manchmal schusselig, oder es passieren unnötige Fehler, weil er unkonzentriert ist. Langfristig
denkt er logisch. Er ist auch noch geldgierig, denn ein fetter finanzieller Hintergrund greift seinem Ansehen unter die Arme. Eine Tote während seiner Veranstaltung schadet beidem. Er hatte kaum
Verbindung zu Judith, weshalb ein Mord privater Natur unmöglich ist. Sie hat ihm keinen Respekt gezollt. Sie hat die Inhalte dessen, was er vorgetragen hat, angezweifelt. Er ist sich seiner zu
sicher, als dass er davon ausgegangen wäre, dass sie ihm Schaden zufügen hätte können. Seine Überzeugung würde sogar so weit reichen, zu denken, man würde ihn nicht verdächtigen. Ein handfestes
Motiv fehlt dafür.
Dies hätte Daniela. Zu eindeutig.
Angela ist ein Familienmensch. Sie ist von Haus aus glücklich. In letzter Zeit hat sie ihre positive Einstellung einen Hauch verloren. Zu oft ist ihre Gutmütigkeit ausgenützt worden. Es ist
Starrköpfigkeit dazugekommen. Gepaart mit Bildungsverweigerung hat sich ihr Wissensstand auf dem Niveau einer Person mit Grundschulabschluss in ihren Anfang-20 Ern eingependelt.
Ihre Grundhaltung ist geprägt von ihrem Umfeld, ausschliesslich Arbeiterklasse, viele davon hart arbeitend, andere ihren Frust ersäufend. Wie ihre Familie, ist sie friedlich und es liegt ihr
fern, einer Person Schaden zuzufügen. Bisher jedenfalls. Weil sie dieses Vertrauen gelernt hatte, ist sie leicht zu beeinflussen. Mit plausiblen Erklärungen für Überredungskünste lässt sie sich
zu einigen Taten hinreissen. Ihr Exmann und Vater ihrer Sprösslinge hat dies jahrelang für sich und seine Drogenexzesse genützt. Er war von ihr wie ihr grösstes Kind behandelt worden, das über
kurz oder lang einsehen würde, dass er als erwachsenes Familienmitglied seinen Beitrag leisten müsse. Nicht nur Lehrerinnen und Mentorinnen gegenüber ist sie seit jeher trotzig, das Festhalten an
ihrer lieblosen Ehe sollte ihren älteren Geschwistern beweisen, dass sie mit ihrer Verliebtheit richtig gelegen hatte. Sie könnte ein weiteres Mal zum Werkzeug geworden sein.
...
Die vollständige Geschichte findest Du hier:
Virtueller Hut: Du förderts so die Schreibkunst:
https://www.buymeacoffee.com/QBurg
Erhalte so exklusive Inhalte! :-)
Kommentar schreiben