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Osterthriller

Im Gegensatz zu meinen Kolleginnen habe ich die Flucht rechtzeitig geschafft. Zwar entkomme ich dem Raum nicht, in dem die einfallenden Sonnenstrahlen bizarre Muster in den umherschwirrenden Dreck zeichnen, aber es gelang mir, aus dem Käfig zu fliehen. Ich kauere in einer Ecke und sehe dem Grauen zu. Die Peinigenden können mich nicht erblicken. Wir sind ihnen so egal, dass sie den Unterschied zwischen mir und den anderen nicht bemerken. Sie erkennen nicht, dass es eine weniger sind. Ich bin einen Schritt weiter. Bei der künftigen Gelegenheit verlasse ich diesen Raum. Er ist stickig, modrig. Durch die Ritzen inmitten von den Holzbalken, aus denen der Verschlag gebaut worden war, dringt am späten Nachmittag Sonnenlicht. Kurz bevor die Sonne danach hinter den Berggipfeln sich endgültig bis zum nächsten Tag verabschiedet und erst Schatten und dann Nebel zurücklässt. Darin tanzen die Staubpartikel, die sich täglich zu vermehren scheinen. Ich halte die Luft an, wenn ich dieses Schauspiel wahrnehme, weil ich mir die Lungen nicht versauen möchte. Mit meinem Unterleib ist es passiert: Immer wieder diese Vergewaltigungen.

Ich sehe dabei zu, wie es meinen Kolleginnen nach wie vor so ergeht. Sie sind mir mit der Zeit ans Herz gewachsen. Extremsituationen schweissen zusammen. Manchmal haben wir uns dazwischen gestellt, um den Akt hinauszögern zu können. Es ist zu einem Fangenspiel mutiert. In dieser Situation frage ich mich, was verwerflicher ist: Das tatenlose, hilflose Zusehen, oder das Teilen der Opferrolle und des Leides.

Nachts, wenn alles friedlich scheint, und sich die grossen Bösewichte zurückgezogen haben, komme ich aus dem Versteck und sammle Essensreste zusammen. Achtlos fallengelassen beim lieblosen Hineinwerfen. Ein Überleben wird ermöglicht. Mein Ziel ist jedoch das Leben. Draussen in der Natur. Dort wäre ich ebenfalls zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Lieber kurz lebendig sein, als lang standhalten. Ich werde jede Menge lernen müssen, schliesslich bin ich in Gefangenschaft gross geworden und das da hinter dem Holztor kenne ich von Erzählungen.

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pic by: john-towner-0uN9iF4mgDI-unsplash
pic by: john-towner-0uN9iF4mgDI-unsplash

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Die vollständige Geschichte findest Du hier:

 


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