„Sie sagen also, sie waren nicht in der Nähe, als Ihr Mann starb?“
Die Frau des, mit Rattengift im Kaffe in innerhalb von Sekunden getöteten Dirigenten wischt sich die Tränen aus den Augen, als sie bemerkt, dass die Kommissarin wieder ums Eck kommt und mit ihrer
Fragenbombardierung fortfährt.
„Nein.“
„Den Konzertsaal hatten Sie aber offenbbar noch vor der Pause verlassen, wie die Personen, die neben Ihnen sassen, aussagten.“
„Ja, aber um nicht mit den Massen hinauszumüssen.“
„Wo wollten Sie hin?“
„Zur Toilette. Da bin ich auch hin. Mich hat der Portier gesehen. Der kann auch bezeugen, dass ich danach noch an die Bar im Foyer direkt gegenüber der Toilette ging.“
„Kennen Sie ihn?“
„Wen?“
„Den Portier.“
„Nur von hier, vom Schauspielhaus. Auch er kennt mich, jedenfalls weiss er wer ich bin, ich bin ja oft hier.“
„Danke, das ist vorerst alles.“
Die Ermittlerin nimmt sich die Musikerin vor, von der sie hörte, dass es einmal mehr Streit zwischen ihr und dem Dirigenten gegeben hatte:
„Was wollen Sie schon wieder?“
„Den Fall aufklären.“
„Dann halten Sie sich nicht mit mir auf! Gut, dass das Arschloch endlich weg ist.“
„Woher kennen Sie sich?“
„Von meinem ersten Arrangement vor 50 Jahren.“
„Sie sind seit 50 Jahren Musikerin?“
„Nein, seit 70.“
„Wie alt sind Sie?“
„70.“
Da die Fragende nicht nachhakt, scheint die Flöterin, deren Haupttalent gerade das Leeren von Sektflöten ist, Erklärungsbedarf zu haben:
„Ich komme aus einer musikalischen Familie. Die Musik gehört zu meinem Leben.“
Unbeeindruckt und mit Pokerface fährt die Polizeiangestellte fort:
„Könnten Sie nicht viel weiter sein?“
„Ja, wenn Sie mich mit Ihrer Fragerei nicht aufhielten!“
„Auf Ihrer Karriereleiter meine ich.“
„Was geht Sie das an?“
„Hat der Dirigent Sie aufgehalten?“
„Blitzzünderin, was?“
„Ist ein Motiv.“
„Sie machen Spass. Nennen Sie mir auch nur EINE Person hier im Schauspielhaus, die KEIN Motiv hätte!“
„Warum arbeiten Sie im gleichen Orcheser?“
„Es hatte sich zufällig ergeben. Von seiner Vorgängerin hatte ich wieder die Chance bekommen.“
„Sie hatten damals ein Verhältnis mit ihm?“
„Der Weiberheld hätte das gerne gehabt!“
„Gerüchtehalber hätte auch ihre Schwester ein Verhältnis mit ihm gehabt.“
„Pha. Was heisst Verhältnis?“
„Schwanger soll sie gewesen sein.“
Nun traten Tränen in ihre zornigen Augen, was ihrem verhärmten Gesichtsausdruck etwas Hoffnungsloses gab.
„Das ist fast 50 Jahre her!“
„Sie hatten ihn lange nicht gesehen.“
„Was soll das? Meine Schwester ist tot!“ Sie wird nun laut:
„Mausetot. Von den Würmern zerfressen. Womöglich finden Sie nicht mal ein Skelett.“
„Woran starb sie?“
„An den Folgen von Abtreibung. Dieses Schwein hatte sie geschwängert.“
„Es hat sie also doch mitgenommen, dass er ein Verhältnis mit ihrer Schweser gehabt hatte?“
„Ach hören Sie doch auf! Er wollte, dass ich sie ihm vorstelle.“
„Und haben Sie?“
„Ja, habe ich. Dann wurde sie schwanger.“
„Was sie noch mehr ärgerte?“
„Sie war 12 Jahe alt, verdammte Scheisse noch mal! 12! Sie war noch ein Kind! Und nun hauen Sie ab hier, aber schnell!“
Die Polizistin tut, wie ihr geheissen und macht sich auf den Weg zum ersten Geiger.
Weil ihr Weg am Portier vorbeiführt, nützt sie die Gelegenheit:
„Sie haben die Frau des Toten in der Pause, in der er den Sekundentod starb, gesehen?“
„Ja.“
„In wechem Verhältnis stehen Sie zu ihr?“
„Ich Portier. Sie: Frau von Dirigent.“
„Sonst kannten Sie sie nicht?“
„Nein.“
„Haben Sie sich oft unterhalten?“
„Praktisch nie.“
„Danke.“
Der erste Geiger schaut entsetz drein, scheint aber keine Eile zu haben.
„Sie sollen vom Maestro gestern bei den Proben beleidigt worden sein?“
„Richtig.“
„Es muss ziemlich unter der Gürtellienie gewesen sein?“
„Auch richtig. Das ist natürlich ein Grund zu morden, zumal das zum gefühlten 100ertsten Mal passiert ist.“
„Und?“
„Ach wissen Sie: Wir alle hier sind grösstenteils abgestumpft. Es kam so oft vor. Wir haben die Wahl: Gegen einen zu kämpfen, der in der Öffentlichkeit ein so grosses Ansehen hat und verlieren,
oder ihm einfach nicht zuhören und so das beste für die eigene berufliche Laufbahn machen.“
Die Befragende macht eine kurze Pause. Der Geiger scheint sich an etwas zu erinnern und fährt fort:
...
Die vollständige Geschichte findest Du hier:
Virtueller Hut: Du förderts so die Schreibkunst:
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