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Statistik Totenschein

Hier ist sie wieder!: Diese Ungerechtigkeit! Sie kann sich damit nicht anfreunden. Dabei wollte sie nur Gutes tun. Es begann schon vor vielen Jahren. Ihre Berufswahl war auf die Medizin gefallen. Helfen hatte sie wollen. Das gelang nur bedingt, weil sie durch Korruption «abgesägt» wurde. Weisse Männer mittleren Alters, die zwar nicht mit ihrem Intellekt mithalten konnten, dahingegen eben aufgrund klar hervorstechender Kriterien und des daraus resultierenden Netzwerkes privilegiert waren, hatten sie buchstäblich überrollt. Sie raffte sich aber auf, strebte eine neue Karriere an, wurde bescheidener.

Nun ist sie mit den Leichnamen betraut. Es ist dabei aber immer der lebendige Mensch zu bedenken. Den Toten ist ihr Zustand schliesslich scheissegal. Jetzt geht es einmal mehr wieder um die Unverstorbenen. Oder doch nicht? Es beschäftigt sie schon seit Monaten. Sie hat die Vorschriften einzuhalten, will aber gleichzeitig moralisch handeln.

Es klopft. Wer ist das? Die Arbeit mit den Toten war sonst so friedlich. In letzter Zeit ist es aber eher laut geworden um sie und ihren Arbeitsplatz. Sollte sie innehalten, still sein und hoffen, dass der Eindringling von selbst verschwinden würde? Ja, das ist eine blendende Idee. Sie macht sich an die Arbeit und vergisst flink, dass jemand herein wollte. Es weiten sich aber ihre Augen. Die Kinnlade fällt hinunter, das Herz schlägt kurz schneller, sie erschreckt.

Schon wieder dieses Pochen und dann nach dem dritten Mal die gedämpfte Stimme durch die feste Holztür:

«Ich weiss, dass sie hier sind. Ihr Auto ist am Parkplatz. In der Cafeteria hat man mir ihre Anwesenheit bestätigt.»

«Verflixt.» 

 

 

...

 

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